Starker Rückgang bei Mutter/Vater-Kind-Kuren
Corona senkt die Belegungszahlen der Kliniken stark - Rotes Kreuz sieht großen Nachholbedarf

Dauerhafte Erschöpfung, ständige Anspannung und große Verunsicherung – so lässt sich die momentane Situation von vielen Müttern, Vätern und auch von pflegenden Angehörigen nach 15 Monaten Corona und Corona-Maßnahmen zusammenfassen. Trotzdem haben viele in 2020 auf eine Kur verzichtet – aus Angst vor einer Ansteckung oder auch aus Sorge, die Kinder könnten noch mehr Unterricht verpassen. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) betrachtet diese Entwicklung mit Sorge.
BRK: Tatsächlicher Bedarf weitaus höher
Der BRK-Kreisverband Traunstein, der seit vielen Jahren kostenlose Beratungen für Mutter-/Vater-Kind-Kuren anbietet, möchte darum darauf aufmerksam machen, dass die Belegung in den Mutter-Kind-Kliniken 2020 auf 57 Prozent gesunken ist: rund 42.000 weniger Mütter, Väter und Kinder haben Kurmaßnahmen in Anspruch genommen – obwohl die Zeit für viele von ihnen außergewöhnlich anstrengend war. „Es existiert ein hoher Bedarf, der in Folge der Pandemie noch deutlich zunehmen wird“, prognostiziert Bernhard Lerner, Leiter der Sozialen Dienste beim Roten Kreuz in Traunstein.
Erschöpfungszustände bei den Eltern, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern
Mütter und Väter, die jetzt in eine Kurmaßnahmen kommen, sind oftmals am Limit. Ihre Kräfte sind aufgebraucht. 82 Prozent der Patienten in den Kliniken des Müttergenesungswerkes leiden an Erschöpfungszuständen bis zum Burn-out. Der Beziehung Mutter-Kind bzw. Vater-Kind in den Kurkliniken muss wesentlich mehr Aufmerksamkeit eingeräumt werden, denn auch die leidet stark in der Krise und Kinder zeigen vermehrt Verhaltensauffälligkeiten. „Corona wirkt wie ein Brennglas auf die bestehenden Mehrfachbelastungen Beruf, Familie, Haushalt und Pflege. Unsere Beratungsstelle beim BRK in Traunstein ist in der telefonischen und persönlichen Beratung für Mütter und pflegende Angehörige, aber zunehmend auch für Väter sehr gefragt. Insbesondere im Kontext von Belastungsstörungen müssen unsere Beratenden mehr und mehr abwägen, ob eine Vorsorgemaßnahme wie eine Kur überhaupt noch in Betracht kommt oder nicht sogar eine ärztliche Behandlung und eine medizinische Rehabilitation empfohlen werden muss“, berichtet Lerner.
Betroffene sollten sich möglichst frühzeitig melden
Das BRK bittet Betroffene daher sich frühzeitig bei der Beratungsstelle in Traunstein zu melden, um mögliche Optionen für eine Kur bespreche zu können. Derzeit benötigen die Einrichtungen bis zu vier Monate um einen passenden Kurplatz zur Verfügung stellen zu können. Die Beratungsstelle des Roten Kreuzes in Traunstein berät kostenlos, neutral und kassenunabhängig.